KI-Transparenz-Index 2026: Wie offen informieren Deutschlands größte Arbeitgeber über die Nutzung von KI im Bewerbungsprozess?

In vielen Großkonzernen läuft eine Bewerbung über eine Software, die Lebensläufe ausliest, mit Stellenprofilen abgleicht und vorsortiert. Für Bewerber:innen bleibt dabei oft unklar, ob und an welcher Stelle im Auswahlprozess eine solche Technik mitwirkt. Mit dem KI-Transparenz-Index beantworten wir eine konkrete Frage: Wie umfassend informieren die größten deutschen Arbeitgeber öffentlich darüber, ob sie im Recruiting KI einsetzen?

Für den Index haben wir 25 der nach Mitarbeiterzahl größten Unternehmen Deutschlands anhand von 32 standardisierten Kriterien ausgewertet. Bewertet haben wir die öffentlich dokumentierte Transparenz, also das, was ein Mensch auf den Karrierewebseiten, in den Bewerberportalen, in den Datenschutzhinweisen und in den veröffentlichten Unternehmensberichten findet. 

Allianz, Telekom und SAP an der Spitze – ALDI Nord und Siemens Energy am Ende

Den höchsten Score erreicht die Allianz mit 26 von 30 Punkten, gefolgt von der Deutschen Telekom und SAP mit jeweils 20 Punkten. Dahinter liegen die Deutsche Post/DHL mit 19 und die BASF-Gruppe mit 18 Punkten. 

Am unteren Ende rangiert ALDI Nord mit einem Punkt. Den zweiten Platz im Negativ-Ranking belegt Siemens Energy mit fünf Punkten, gefolgt von TRATON (sechs Punkte). Volkswagen kommt als größter Arbeitgeber der Untersuchung auf sieben Punkte und liegt damit gleichauf mit Lidl, Robert Bosch und Metro.

In den Datenschutzhinweisen fällt KI nur selten

Der erste Kriterienblock erfasst, wie ausführlich die Bewerber-Datenschutzhinweise über KI, automatisierte Entscheidungen und die Rolle des Menschen im Verfahren informieren. Diese Hinweise sind der rechtlich vorgesehene Ort für solche Angaben, und hier finden Bewerbende am ehesten etwas. Ein solches Dokument muss jedes Unternehmen bereitstellen, entsprechend liegt es bei allen 25 vor. Sobald es konkreter wird, dünnt die Auskunft aus: „KI" oder „Künstliche Intelligenz" wird in sechs dieser Hinweise genannt, der englische Begriff „Artificial Intelligence" in dreien, „Machine Learning" in einem einzigen.

Die automatisierte Entscheidungsfindung wurde als eigenes Kriterium gesondert erhoben. 16 Unternehmen sprechen sie in ihren Datenschutzhinweisen an, 13 davon, um sie für das eigene Bewerbungsverfahren zu verneinen. Ein Hinweis darauf, dass ein Mensch die Bewerbung prüft, findet sich bei neun Unternehmen, eine ausdrückliche menschliche Letztentscheidung beschreiben zehn. Über die Rechte, die Bewerbenden bei automatisierten Entscheidungen zustehen, klären sieben Unternehmen auf. 

Auf der Karrierewebsite benennen vier Unternehmen den KI-Einsatz

Der zweite Block folgt dem Weg, den Bewerbende tatsächlich gehen, von der Karrierewebsite über das Bewerberportal bis zu Chatbot und Video-Interview. Hier klafft die Lücke zwischen Einsatz und Kommunikation am weitesten auf: Vier Unternehmen (Bayer, SAP, Allianz und Siemens) benennen KI auf ihrer Karrierewebsite als Teil des Bewerbungsprozesses, vier stellen den KI-Einsatz dort werblich als Vorzug dar. Das heißt nicht, dass nur diese vier KI verwenden, sondern dass nur sie außerhalb des Datenschutztexts aktiv darüber informieren.

Konkrete Verfahrensschritte werden selten benannt: Einen KI-gestützten Abgleich von Fähigkeiten oder Lebenslauf mit der Stelle erwähnen jeweils sieben Unternehmen, eine KI-gestützte Vorauswahl neun, ein Ranking oder Scoring von Bewerbungen fünf. Ein Chatbot im Bewerbungskontext ist bei sechs Unternehmen dokumentiert, in fünf Fällen wird er als KI-gestützt beschrieben. Ein eigenes Video-Interview-System nennen drei Unternehmen. Eine automatisierte Terminvereinbarung für Vorstellungsgespräche beschreibt ein einziges.

21 Recruiting-Systeme mit KI-Funktion und vier Unternehmen, die transparent darüber berichten

Der dritte Block betrachtet die eingesetzte Recruiting-Software. Bei 22 der 25 Unternehmen ließ sich das genutzte Bewerbermanagementsystem über die Adresse des Bewerberportals oder den Seitenquelltext bestimmen. Bei 21 dieser Systeme bewirbt der Hersteller laut eigener Dokumentation KI-Funktionen, allen voran den automatischen Abgleich von Bewerbung und Stellenanforderung. Am häufigsten kommen SAP SuccessFactors, SmartRecruiters und Avature zum Einsatz. Diesen 21 Systemen stehen die vier Unternehmen gegenüber, die KI auf ihrer Karrierewebsite überhaupt ansprechen.

KI in Richtlinien und Unternehmensberichten

Der vierte Block erfasst, wie die Konzerne KI in ihren übergreifenden Richtlinien und Berichten behandeln. Eine Richtlinie oder Selbstverpflichtung zum verantwortungsvollen Einsatz von KI haben 17 Unternehmen veröffentlicht, 16 beschreiben zudem Steuerungsstrukturen wie ein KI-Gremium oder ein Ethik-Board. In den Unternehmensberichten kommt KI häufig vor: in 21 der 25 Geschäftsberichte, in 19 Nachhaltigkeitsberichten, in 13 Verhaltenskodizes und in sechs Menschenrechtsberichten.

„Unsere Untersuchung zeigt: KI ist in den Systemen vieler Unternehmen angekommen, wird für Bewerber:innen aber oft erst im Datenschutztext sichtbar. Mittelfristig sollte der KI-Einsatz transparent dort offengelegt werden, wo Bewerber:innen sich tatsächlich informieren.“, kommentiert Marek Kraus, Country Manager Germany bei Lucca.


Über die Untersuchung

Für den KI-Transparenz-Index hat Lucca 25 der größten deutschen Arbeitgeber, gemessen an der Mitarbeiterzahl, anhand von 32 standardisierten Kriterien ausgewertet (Stand: 10.08.2026). Die Kriterien verteilen sich auf vier Bereiche: die rechtliche Transparenz in den Bewerber-Datenschutzhinweisen, die Transparenz im Bewerbungsablauf (etwa KI-gestützter Abgleich von Lebenslauf und Stelle, Vorauswahl, Chatbots und Video-Interview-Systeme), die eingesetzte Recruiting-Software sowie die unternehmensweite KI-Steuerung in Richtlinien, Ethik-Kodizes und Geschäfts-, Nachhaltigkeits- und Menschenrechtsberichten. Zum Ermitteln der eingesetzten Bewerber-Software wurde die jeweilige URL des Bewerberportals untersucht. Jedes Kriterium wurde mit „erfüllt“ oder „nicht erfüllt“ bewertet, wobei 2 Kriterien sich auf eine Auflistung bezogen. “Erfüllt” wurde mit einem Punkt bewertet und “nicht erfüllt” mit keinem Punkt. Maximal waren 30 Punkte erreichbar. Als Quellen dienten die Karrierewebseiten, Bewerberportale und Datenschutzhinweise der Unternehmen sowie öffentlich zugängliche KI-Richtlinien und Unternehmensberichte. Verfügte ein Konzern über keine einheitliche Karriereseite, wurde die jeweils größte Einzelgesellschaft ausgewertet, für die Schwarz-Gruppe entsprechend Lidl und für Fresenius die Helios Kliniken. Erfasst wurde die öffentlich dokumentierte Transparenz. Eine öffentliche Transparenz lässt keine (eindeutigen) Rückschlüsse darauf zu, ob und inwiefern KI tatsächlich genutzt wird.