Gehaltstransparenz in Deutschland 2026: Nach wie vor herrscht großer Nachholbedarf
Aktuell werden nur bei rund einem Fünftel der Stellenausschreibungen konkrete Gehaltsangaben gemacht. Dabei zeigen sich nicht nur deutliche Unterschiede zwischen verschiedenen Branchen, sondern auch auf lokaler Ebene. Für die Untersuchung haben wir mehr als 149.000 Stelleninserate in ganz Deutschland auf dem Jobportal der Bundesagentur für Arbeit.
Im Rahmen der EU-Entgelttransparenzrichtlinie soll die Gehaltstransparenz perspektivisch gestärkt werden, um Lohndiskriminierung zu verringern. Nachvollziehbare Vergütungssysteme sind dabei essenziell für die Chancengleichheit und für mehr Vertrauen in Unternehmen. Die Frist zur Überführung in nationales Recht hat die Bundesregierung zuletzt nicht eingehalten und eine Umsetzung erst für Anfang 2027 angekündigt.
In Berlin werden Gehälter am häufigsten offengelegt
Im Bundesländer-Vergleich sichert sich Berlin den ersten Platz: Hier enthalten rund 27,3 Prozent der Ausschreibungen konkrete Gehaltsangaben. Dicht dahinter folgt Bremen mit 27,2 Prozent. Die Top 5 werden durch Thüringen (26,0 Prozent), Hamburg (24,0 Prozent) und Sachsen (23,7 Prozent) komplettiert.
Am anderen Ende der Skala rangiert das Saarland, wo lediglich 16,1 Prozent der Stellenanzeigen transparent sind. Auch Brandenburg (18,1 Prozent), Bayern (19,6 Prozent) und Baden-Württemberg (19,8 Prozent) hinken hinterher. Rheinland-Pfalz positioniert sich mit 20,2 Prozent im soliden Mittelfeld. Bundesweit legen von rund 149.160 untersuchten Stellenanzeigen nur 35.550 das künftige Gehalt offen – das entspricht einer Quote von 20,8 Prozent. Davon entsprechen lediglich 4,9 Prozent jährlichen Gehaltsangaben.
Wilhelmshaven führt im Städtevergleich
Auf Städteebene liegt Wilhelmshaven in Niedersachsen vorn: Hier werden 33,4 Prozent der Stellenanzeigen mit Gehaltsangaben versehen. Die größte Stadt im Kreis Steinfurt, Rheine, landet mit 31 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von Oldenburg (30,6 Prozent) und Gera (30,5 Prozent). Die kreisfreie Stadt Memmingen im bayerischen Regierungsbezirk Schwaben landet mit 29 Prozent auf Platz fünf im Ranking.
Göttingen belegt hingegen im Negativranking den ersten Platz: Lediglich 13,7 Prozent der Stellenanzeigen legen das Gehalt offen – davon sogar nur 2,9 Prozent das Jahresgehalt. Fulda steht mit 14,8 Prozent nur wenig besser da und wird von Freiburg im Breisgau mit 14,9 Prozent knapp überholt. In Saarbrücken werden 15,4 Prozent der Jobanzeigen mit Gehaltsangaben veröffentlicht.
Private Arbeitsvermittlungen sind am transparentesten
Kein Wirtschaftszweig agiert so transparent wie die private Arbeitsvermittlung. Über die Hälfte der Ausschreibungen (54,4 Prozent) von Agenturen, die Unternehmen und Personal zusammenbringen, enthalten Gehaltsinformationen. Ähnlich hoch ist der Wert in der Zeitarbeit mit 52,2 Prozent. Auf dem dritten Platz folgen Sicherheits-, Reinigungs- und Reparaturdienstleistungen (32,7 Prozent). Erst mit großem Abstand dahinter reihen sich die Segmente der Medien- und Informationsdienstleistungen (17,2 Prozent) sowie Wissenschaft, Forschung und Entwicklung (14,4 Prozent) ein.
Verschwiegen zeigen sich dagegen Branchen mit traditionell höheren Einkommen: Stellenangebote für Manager:innen, Berater:innen sowie Fachpersonal im Rechts- und Steuerwesen bilden mit einer Transparenzquote von gerade einmal 4,8 Prozent das Schlusslicht. In der Luft- und Raumfahrttechnik sieht es mit 6,1 Prozent kaum anders aus. Auch der Einzel-, Groß- und Außenhandel (6,2 Prozent), der Sektor Konsum- und Gebrauchsgüter (7,3 Prozent) sowie der Fahrzeugbau (7,4 Prozent) halten sich bei Gehaltsangaben bislang zurück.
„Die Überarbeitung des Entgelttransparenzgesetzes, rollt trotz Verzögerung auf die Unternehmen zu. Unsere Daten zeigen, dass die deutsche Wirtschaft darauf noch überhaupt nicht vorbereitet ist“, kommentiert Marek Kraus, Country Manager Germany bei Lucca. „Dass bundesweit nur knapp jede fünfte Stellenausschreibung konkrete Gehaltsangaben enthält, ist im Jahr 2026 ein Alarmsignal. Besonders in den Chefetagen, aber auch in weiteren Positionen über eine Vielzahl von Branchen hinweg herrscht nach wie vor eine Kultur des Schweigens. Wer im harten Kampf um Fachkräfte auch in Zukunft bestehen will, muss jetzt umdenken. Transparenz ist kein lästiges Pflichtprogramm, sondern ein echter Wettbewerbsvorteil sowie Ausdruck von Fairness und Wertschätzung. Bei uns sind deshalb bereits heute sämtliche Gehälter für alle Mitarbeitenden jederzeit einsehbar.“
Das Thema Gehaltstransparenz ist bei Lucca gelebte Praxis. Die Gehälter sind intern für alle Mitarbeiter:innen einsehbar. Außerdem werden Gehaltsspannen bereits in den Stellenausschreibungen angegeben. Wir möchten damit über sämtliche Ebenen hinweg klare Verhältnisse schaffen und Gehaltsdiskriminierung ausschließen.