Performance Improvement Plan: Definition, Ablauf und Best Practices für dein HR-Team
Jedes HR-Team kennt die Situation, wenn die Leistung einer Arbeitskraft im Unternehmen plötzlich nachlässt. Daraufhin negatives Feedback zu geben, ist grundsätzlich keine angenehme Aufgabe, aber mit einem Performance Improvement Plan kannst du einen angemessenen Rahmen schaffen. Denn ein Leistungsverbesserungsplan schafft Transparenz, definiert Erwartungen und gibt Mitarbeitenden die Chance, ihre Leistung nachhaltig zu verbessern.
In diesem Artikel erfährst du, wann ein Performance Improvement Plan sinnvoll ist, wie du ihn effektiv umsetzt und welche Fehler du vermeiden solltest.
Der Artikel in einer Minute :
Ein Performance Improvement Plan (PIP) ist ein schriftlicher Plan, der Mitarbeitenden mit Leistungsschwächen eine faire Chance zur Verbesserung gibt – mit klaren Zielen, Zeitrahmen und Unterstützung.
PIPs fördern Transparenz und Entwicklung: Sie helfen Mitarbeitenden, Erwartungen zu verstehen, und geben Unternehmen eine Grundlage zur Leistungsbewertung und Dokumentation.
Ein PIP eignet sich bei wiederholten Leistungsproblemen, aber nicht bei schwerwiegendem Fehlverhalten oder wenn private Umstände die Leistung beeinträchtigen.
Ein erfolgreicher PIP folgt 8 Schritten – von Situationsanalyse über die Erstellung SMARTer Ziele bis hin zu regelmäßigen Feedbackgesprächen und einer klaren Abschlussbewertung.
Wichtig für HR & Führungskräfte: Fair formulieren, realistische Ziele setzen, kontinuierlich unterstützen – ein PIP ist kein Druckmittel und darf nicht als Vorstufe zur Kündigung missbraucht werden.
Arbeitsrechtlich gilt: Ein PIP ist zulässig, solange er transparent, unterstützend und fair ist. Er ersetzt keine Abmahnung, stärkt aber die Nachvollziehbarkeit von HR-Entscheidungen.
Was ist ein Performance Improvement Plan und wann wird er eingesetzt?
Der Performance Improvement Plan (PIP) – auf Deutsch auch als Leistungsverbesserungsplan bekannt – ist ein Instrument der Performance Management Prozesse. Dabei handelt es sich um eine schriftliche Vereinbarung, die du nutzen kannst, wenn Mitarbeitende ihre Arbeit nicht wie erwartet erbringen.
Der Plan dokumentiert:
konkrete Leistungsdefizite
klare Ziele und Fristen
mögliche Maßnahmen, falls die Verbesserungen nicht eintreten.
Ein PIP verfolgt ein wichtiges Ziel: die Arbeitskraft wird nicht vorschnell aufgegeben, sondern du gibst ihr eine faire und strukturierte Chance zur Verbesserung. Statt sofort disziplinarische Schritte einzuleiten oder eine Kündigung zu prüfen, setzt du mit einem PIP auf Coaching, Transparenz und gemeinsame Entwicklung. Dennoch kann ein PIP auch als Nachweis dienen, falls es später zu einer leistungs- oder verhaltensbedingten Kündigung und zu einem Austrittsgespräch kommt.
Typische Situationen, in denen ein PIP sinnvoll ist:
wiederholte Leistungsschwächen bei Aufgaben
verpasste Deadlines
Qualitätsmängel in Arbeitsergebnissen
Sich häufende Beschwerden von Kund:innen
Probleme mit Anwesenheit oder Pünktlichkeit
In diesen Situationen ist ein PIP nicht sinnvoll:
schwerwiegendes Fehlverhalten wie grobes, respektloses Verhalten oder Mobbing
klare Disziplinarverstöße, wie Diebstahl
bei Leistungsminderung durch ausschließlich private Probleme
Welche Vorteile bringt ein Performance Improvement Plan?
Ein gut umgesetzter PIP bietet Vorteile für beide Seiten – sowohl für die betroffenen Mitarbeitenden als auch für das Unternehmen.
Vorteile für Mitarbeitende:
erhalten klare Orientierung
verstehen, welche Leistung erwartet wird
bekommen strukturiertes Feedback
erhalten eine faire Chance zur Verbesserung
erhalten gezielte Unterstützung durch Training oder Coaching
Vorteile für Unternehmen:
objektive und nachvollziehbare Grundlage zur Leistungsbewertung wird geschaffen
Mitarbeitende werden gefördert, statt sie vorschnell zu verlieren
Leistungsentwicklungen werden sauber und rechtssicher dokumentiert
Feedbackkultur mit Transparenz und Vertrauen wird tatsächlich gelebt
Ein wichtiger Hinweis aus arbeitsrechtlicher Perspektive: Sollten die Ziele im PIP so definiert werden, dass sie nicht erreichbar sind, um eine etwaige Kündigung zu provozieren, dann ist dies juristisch anfechtbar. Setze deshalb immer auf faire PIP-Prozesse.
Wie erstellt du einen Leistungsverbesserungsplan?
Im Folgenden findest du eine Ablauforganisation, die dir hilft, einen fairen, klaren und motivierenden Performance Improvement Plan zu erstellen.
1. Situation bewerten
Bevor du mit einem PIP startest, überprüfe, ob tatsächlich ein Leistungsproblem vorliegt. Dieser Schritt ist wichtig, damit du den PIP nicht voreilig oder ungerecht eingesetzt. Finde folgendes heraus:
Handelt es sich um ein wiederholtes Thema?
Liegt ein Missverständnis über Erwartungen vor?
Gibt es äußere Faktoren wie Überlastung oder fehlende Ressourcen?
Ist die betreffende Person bereit und in der Lage, ihre Leistung zu verbessern?
2. Beweise sammeln
Dokumentation ist ein zentraler Bestandteil deines PIPs und bildet die objektive Grundlage. Sammle konkrete Beispiele, die die Leistungsprobleme belegen:
Projekte, die nicht rechtzeitig abgeschlossen wurden
Ergebnisse, die Qualitätsanforderungen nicht erfüllen
Feedback von Teamleitungen
Auswirkungen auf Kolleg:innen oder Kund:innen
3. Führungskräfte einbinden
Ein PIP ist kein HR-Alleingang. Nur wenn Führungskräfte sich dazu äußern, wird ein PIP wirksam. Binde deshalb Führungskräfte aktiv ein:
Briefing über Ziele und Ablauf
Kläre die Rolle der Arbeitskraft im Prozess
Stelle sicher, dass es Support und Feedback gab
4. PIP erstellen
Jetzt entsteht der eigentliche Performance Improvement Plan. Achte darauf, die Ziele positiv, angemessen und handlungsorientiert zu formulieren.
Der Plan sollte folgendes beinhalten:
Informationen über die Arbeitskraft
konkrete, messbare Ziele (idealerweise nach der SMART-Methode)
Zeitraum des PIP (meist 30, 60 oder 90 Tage)
Unterstützungsmaßnahmen (Training, Mentoring, E-Learning, Shadowing)
Konsequenzen, wenn keine Verbesserung eintritt
5. HR-Prüfung
Jetzt wird kontrolliert, ob der Leistungsverbesserungsplan zu den bisherigen Leistungsbewertungen passt und ob er:
fair,
realistisch,
klar formuliert,
arbeitsrechtlich korrekt ist.
6. Kick-off-Meeting durchführen
Das Auftaktgespräch ist wichtig. Es setzt die Grundlage für den gesamten Prozess. Erkläre die Ziele und die Unterstützungsmöglichkeiten und gib der Arbeitskraft Raum für Fragen und eigene Vorschläge. Gestalte das Meeting:
transparent
lösungsorientiert
respektvoll
dialogbasiert
7. Regelmäßige Gespräche planen
Regelmäßige Gespräche – etwa im Wochentakt oder zweiwöchentlich – sind entscheidend. Das Feedbackgespräch sollte konstruktiv und motivierend sein. Die Gespräche bieten die Möglichkeit:
Fortschritte zu besprechen
Herausforderungen anzusprechen
Ziele anzupassen
Unterstützung zu verstärken
8. Abschluss und nächste Schritte
Am Ende des PIPs erfolgt eine klare Bewertung:
Wurden alle Ziele erreicht?
Hat sich die Leistung stabilisiert?
Sind weitere Maßnahmen nötig?
Überblick über die 8 Schritte eines PIP
Tipps für einen erfolgreichen Performance Improvement Plan und häufige Fehler
Ein PIP kann ein wirkungsvolles HR-Tool sein – vorausgesetzt, du setzt ihn richtig ein. Diese Tipps solltest du beachten, wenn du einen erfolgreichen Leistungsverbesserungsplan umsetzen möchtest:
Tipps für die erfolgreiche Umsetzung
Behandle Ursachen statt Symptome: Viele Leistungsprobleme hängen mit Überlastung, Rollenunklarheit oder fehlenden Ressourcen zusammen.
Binde Mitarbeitende aktiv ein: Arbeite bei der Entwicklung des PIP mit den Mitarbeitenden zusammen. Die aktive Beteiligung fördert das Verantwortungsbewusstsein.
Setze klare und messbare Ziele: Lege spezifische, messbare, erreichbare, relevante und zeitgebundene (SMART) Ziele fest, die von allen verstanden werden. Alle Gespräche sollten sich an diesen Zielen orientieren.
Laufendes Feedback statt starrer Bewertung: Plane regelmäßige Gespräche ein. Sie sind essenziell für einen erfolgreichen Performance Improvement Plan.
Dokumentiere die Fortschritte: Eine saubere und detaillierte Aufzeichnung über die Fortschritte während des gesamten PIP-Prozesses hilft, um die Wirksamkeit des Plans zu bewerten und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen.
Belohne Erfolge: Erkenne alle Erfolge, die auf dem Weg erzielt werden. Positives Feedback kann Mitarbeitende motivieren, weitere Fortschritte zu machen.
Trenne PIP und Vergütung: Mach die Vergütung nicht von den Ergebnissen des PIP abhängig. So vermeidest du unnötigen Druck.
Häufige Fehler beim PIP
Nutze den PIP nicht als Druckmittel: Ein PIP soll Entwicklung ermöglichen – nicht Angst erzeugen.
Unklare Ziele oder fehlende Erfolgskriterien: Ein PIP braucht klare, messbare und nachvollziehbare Ziele. Ohne präzise Kriterien weiß die betroffene Person nicht, woran sie gemessen wird – und du kannst Fortschritte nicht fair bewerten.
Mangelnde Kommunikation: Offene, regelmäßige Gespräche sind der Kern eines erfolgreichen PIPs. Wenn der Austausch fehlt, entstehen Missverständnisse und Unsicherheiten, die die gesamte Entwicklung blockieren.
Fehlende Unterstützung durch Führungskräfte: Führungskräfte müssen den Prozess aktiv mittragen und begleiten. Ohne ihre Unterstützung wirkt ein PIP wie ein isoliertes HR-Projekt und verliert seine Wirksamkeit.
„PIP als Vorstufe zur Kündigung“ – eine Praxis, die Vertrauen zerstört: Ein PIP darf kein verstecktes Kündigungsszenario sein. Wenn Talente spüren, dass der Plan nur ein formaler Schritt zur Trennung ist, bricht das Vertrauen dauerhaft – auch im restlichen Team.
Performance Improvement Plan und Arbeitsrecht – Was musst du beachten?
Das Arbeitsrecht erlaubt es Unternehmen nicht, Mitarbeitende einfach so wegen schlechter Leistung zu entlassen. Alle Arbeitskräfte müssen deshalb vorher die Gelegenheit zur Verbesserung bekommen. Durch einen Performance Improvement Plan und regelmäßiges Feedback gibst du leistungsschwachen Mitarbeitenden die Chance, sich zu entwickeln und somit eine Kündigung eventuell noch abzuwenden.
Aber: Obwohl ein PIP bei keiner sichtbaren Verbesserung eine Abmahnung oder Kündigung mit sich ziehen kann, darfst du ihn nicht dazu nutzen, eine Kündigung zu provozieren oder den Mitarbeitenden unter Druck zu setzen. Denn arbeitsrechtlich ist es heikel, ein PIP dafür zu nutzen, eine Kündigung zu legitimieren, obwohl nie eine echte Unterstützung vorgesehen war. Ein PIP muss ehrlich und entwicklungsorientiert sein – alles andere könnte als Rechtsmissbrauch gewertet werden. Auch reicht ein erfolgloser Performance Improvement Plan allein nicht für eine Kündigung als “Low Performer” aus. (Quelle: RvK Anwälte)
Kurz zusammengefasst, ein PIP ist arbeitsrechtlich zulässig, solange er:
fair
transparent
gut dokumentiert
realistisch gestaltet
unterstützend
nicht als Druckmittel missbraucht wird.
Der Performance Improvement Plan ersetzt keine Abmahnung, stärkt aber die Nachvollziehbarkeit von HR-Entscheidungen und zeigt, dass dein Team verantwortungsvoll gehandelt hat.
3 Praxisbeispiele für Performance Improvement Pläne
1. Beispiel: Unregelmäßige Anwesenheit
Situation: Die Anwesenheit liegt deutlich unter dem Durchschnitt des Teams. Er oder sie sagt Termine wiederholt kurzfristig ab oder erscheint immer wieder verspätet.
Ziele definieren:
Fehlzeiten reduzieren
stabile und verlässliche Anwesenheitsquote
Messbare KPIs festlegen:
Anwesenheitsquote von mindestens 95 % in einem definierten Zeitraum
maximal zwei ungeplante Fehltage innerhalb von 60 Tagen
pünktlicher Arbeitsbeginn an 95 % der Arbeitstage
Maßnahmen ergreifen:
tägliches Tracken der eigenen Anwesenheit
wöchentliche Abstimmung mit der Teamleitung
Analyse der Gründe für bisherige Fehlzeiten (Gespräche, Workload-Review)
Unterstützung anbieten:
flexible Arbeitszeitmodelle prüfen
Gespräch über gesundheitliche oder persönliche Belastungen führen
Zugang zu internen Angeboten wie Gesundheitsmanagement oder Coaching
2. Beispiel: Verspätete Deadlines
Situation: Projekte werden wiederholt verspätet geliefert. Die Qualität ist gut, aber Zeitplanung und Priorisierung lassen zu wünschen übrig.
Ziele definieren:
Zeitmanagement verbessern
definierte Projektmeilensteine einhalten
Messbare KPIs festlegen:
mindestens 90 % der Deadlines im PIP-Zeitraum einhalten
pünktliche Übergabe von Zwischenergebnissen
Verbesserung der Planungsgenauigkeit (z. B. realistische Aufwandsschätzung)
Maßnahmen ergreifen:
einen detaillierten Wochenplan einführen
Prioritäten-Workshops mit der Führungskraft
Task-Management-Tools nutzen
tägliche 10-Minuten-Planungseinheit zur Selbstorganisation
Unterstützung anbieten:
Training zu Zeitmanagement-Methoden (z. B. Eisenhower, Time-Blocking)
zusätzliches Coaching für Projektplanung
engmaschige Review-Termine alle ein bis zwei Wochen
3. Beispiel: Probleme im Customer Service
Situation: Kund:innen beschweren sich. Es zeigen sich Probleme in der Kommunikation, Freundlichkeit oder Bearbeitungsqualität.
Ziele definieren:
kommunikative Fähigkeiten verbessern
Zufriedenheit der Kundschaft steigern
Messbare KPIs festlegen:
CSAT-Score um mindestens 10 % erhöhen
negative Kundenrückmeldungen um 30 % senken
definierte Reaktionszeiten (Service-Level) einhalten
Maßnahmen ergreifen:
Kommunikations- oder Deeskalationstrainings
Shadowing bei erfahrenen Kolleg:innen
strukturierte Nachbereitung schwieriger Kundenfälle
Unterstützung anbieten:
wöchentliche Coaching-Sessions mit Teamleitung
Zugriff auf Wissensdatenbank und Best-Practice-Guidelines
Rollenspiele oder Simulationen zur Stärkung der Gesprächsführung
Häufig gestellte Fragen zum Performance Improvement Plan
Immer dann, wenn Leistungsdefizite im Vordergrund stehen – und nicht Fehlverhalten. Ein PIP richtet immer den Fokus auf Verbesserung und Entwicklung. Disziplinarische Maßnahmen werden relevant, wenn Regeln verletzt wurden, nicht wenn die Leistung zeitweise abweicht.
Durch Transparenz, klare Ziele, regelmäßige Mitarbeitenden Check-ins, offene Kommunikation und echte Unterstützung. Fairness entsteht, wenn Ziele realistisch sind und Mitarbeitende genügend Ressourcen erhalten, um diese zu erreichen.
Ja, ein PIP kann zu einer Kündigung führen – aber nicht allein und nur, wenn trotz klarer Ziele und intensiver Unterstützung keine Verbesserung eintritt. Mitarbeitende sollten aktiv nachfragen, Feedback einfordern, Herausforderungen offen ansprechen und die angebotenen Ressourcen nutzen.
